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Artikel Westfälische Nachrichten
Lehrstunde
für Herrchen
und arbeitslose Vierbeiner
Tierpsychologin Viola Wüste aus
Osnabrück hilft bei Problemen
rund um Hund und Katze
Von Annika Wagner
Osnabrück. Jerry und ich sind ein eingespieltes Team,
wir wissen immer genau, was der andere denkt, so Viola Wüste über die
Beziehung zu ihrem Hund, während Katze Blacky sich schnurrend an sie schmiegt.
Die 31-jährige Diplom-Tierpsychologin war eigentlich war schon auf dem
besten Weg, ihren Lebensunterhalt als Juristin zu verdienen. Dann bekam
sie Probleme mit ihrem Hund.
Jerry hing an mir wie eine Klette und stellte meine Wohnung auf den Kopf,
wenn er allein zu Hause war erinnert sich die Osnabrückerin, die seit
drei Jahren eine Praxis betreibt. Da begann sie, sich intensiv mit dem
Verhalten von Hunden zu beschäftigen. Man muss lernen, die Welt aus der
Sicht des Hundes zu sehen. Er ist nun mal ein Rudeltier. Frauchen oder
Herrchen müsse dem Vierbeiner deutlich seinen Platz in der Rangordnung
zuweisen. Das sei auch das Problem zwischen ihr und Jerry gewesen. Er
wusste nicht, woran er bei mir war, er war völlig verunsichert, weiß sie
jetzt. Der eher ängstliche Jerry sei auch heute noch nicht gerne alleine,
käme aber damit zurecht. „Gänzlich ummodeln kann man einen Hund nie
sagt Viola Wüste, die ihre Ausbildung über zwei Jahre an der Akademie
für Tierheilkunde in der Schweiz abgeschlossen hat. Aus einem ängstlichen
Hund könne kein Draufgänger werden. „Aber man kann lernen, gut mit ihm
zurechtzukommen.“ Wenn ein besorgter Tierhalter bei ihr anruft, beobachtet
sie bei ihm zu Hause etwa zwei Stunden lang ganz genau, wie Mensch und
Tier miteinander umgehen. Meist fehle es einfach an Wissen über den tierischen
Freund.
„Jeder Hund hat seinen eigenen Charakter. Den muss man erst erkennen,
bevor man sich auf ihn einstellen kann“, erklärt die Fachfrau. Außerdem
würden viele Hunde vermenschlicht, sie dienten als Kind- oder Partnerersatz
oder nur als Kuscheltier. Die meistten Hunde seien heute „arbeitslos“.
„Ein Hund muss beansprucht werden, und zwar körperlich und geistig.“ Wenn
er sich langweilt, sorge er anderweitig für Aufregung in seinem Leben.
Er jage dann beispielsweise jedem Hasen hinterher. Rufe und Pfiffe überhöre
er dabei geflissentlich.
Sobald sie das Problem erkannt hat, übt Wüste gemeinsam mit Hund und Halter
neue Verhaltensweisen ein. Bei manchen „Patienten“ sei aber auch sie machtlos,
wenn beispielsweise der Hund verfressen und zu dick ist, weil das Herrchen
selbst gerne und viel isst. „Da muss sich zunächst der Halter umstellen,
bevor sich das Verhalten des Hundes ändern kann“ betont sie schmunzelnd.
„Bei Katzen muss man ganz anders vorgehen beschreibt Wüste, die außerdem
auch Tierhomöopathin ist, ihre Arbeit. Die Samtpfoten seien hochsensibel
und reagierten auf kleinste
Veränderungen. Wenn Katzen beispielsweise auf den Teppich „machen“, stünden
sie vielleicht unter großem Stress. „Der neue Staubsauger kann ebenso
die Ursache sein, wie das schlechte Verhältnis zur anderen Katze“, so
die Expertin über die Seele der Samtpfoten. Viola Wüste, die mit Tieren
aufgewachsen ist, sieht sich als Dolmetscherin zwischen Mensch und Tier.
„Jedes Verhältnis zwischen Mensch und Tier ist ein besonderes“ sagt die
Tierpsychologin aus Osnabrück.
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